Front-Eckzahnführung?

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# und andere intraorale Hilfsmittel

Front-Eckzahnführung?

Beitragvon Lara » Dienstag, 08. Januar 2019, 10:49:24

Eine Front-Eckzahn-Führung bedeutet doch, dass bei Seitwärtsbewegung des Kiefers nur Kontakte auf den Eckzähnen (manchmal auch auf der Front) vorhanden sind. Wie ist das gemeint, Insel, dass dabei auch Abstützung im Bereich der Backenzähne da sein sollte? Meinst du wirklich in der dynamischen Okklusion? Oder doch nur in der statischen? ‚Gesunde‘ haben ja tatsächlich diese FrontEckzahnführung auf ihren Zähnen...
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Re: front-Eckzahnführung?

Beitragvon Insel » Dienstag, 08. Januar 2019, 11:04:02

Guten Morgen, Lara,

danke für Deine schwierigen Fragen.

Dieser Bereich ist umstritten, es gibt keine offizielle Meinung, sondern nur verschiedene Meinungen, die sich widersprechen. Was ich im Folgenden schreibe, ist nur meine Meinung, aufgrund eigener Erfahrungen. Zunächst eine philosophische Vorbemerkung: Ich bin der Meinung, dass das Wichtige vor dem Unwichtigen stehen sollte, das Große und Ganze vor den Details. Das heißt für mich: Bevor die Dynamik interessant wird, muss die Statik stimmen. Die Bisslage ist wichtiger als die Okklusion, in der sich manche Gnathologen gerne erschöpfen.

Gesunde haben, manche, auch nicht alle, eine Fronteckführung, aber im wesentlichen haben auch sie eine Molarenabstützung. Fronteckführung spielt keine wirklich wichtige Rolle. Diskludieren braucht keine Führung. Selbstverständlich soll sich dabei nichts verhaken. Entscheidend für Abstützung und Führung sind aber die Molaren. Wenn man die richtig hat, kann man eine Fronteckführung quasi als Luxus draufsatteln. Aber soweit sind hier viele nicht und es können die wenigsten Anbieter.

Zum Beispiel lässt sich auf Totalprothesen keine Fronteckführung einstellen, und trotzdem hat nicht jeder Totalprothesenträger CMD. Fronteck in der Praxis bedeutet oft Vernachlässigung der Abstützung im Molarenbereich, falsche Bisslage, vorne weit höher als hinten, und außerdem Oberkieferschiene mit Aufknallen der Front, was einen Rückwärtsreflex am Unterkiefer auslöst, der dann wiederum das Kiefergelenk komprimiert..

Gesunde haben auf der Front keine starken Kontakte, oft haben Gesunde sogar eine leicht offene Front. Die Front führt oder stützt den Kiefer auch nicht. Schneidezähne sind mehr Tastkörper als Beißwerkzeuge. Aber das kann jeder sehen, wie er will :) Vielleicht übersehe ich ja was oder sehe was falsch :?:

LG Insel
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Re: Front-Eckzahnführung?

Beitragvon Lara » Dienstag, 08. Januar 2019, 12:38:08

Liebe Insel, danke für deine Antwort. Das Thema ist tastächlich kompliziert, aber Ich bin, ebenfalls durch eigene Erfahrung, nur teilweise deiner Meinung. Natürlich sind die Basiskontakte entscheidend. Das Entfernen der Störkontakte in der Dynamik (und damit meine ich alle außer auf den Eckzähnen) führt zumindest bei mir zu einer deutlichen Schmerzreduktion, selbst dann, wenn die statischen Kontakte suboptimal sind. Ich sehe auch nicht ganz die Schwierigkeit darin, diese (Front)Eckzanführung auf der Schiene zu realisieren. Was das aufsetzen auf der Front betrifft: würdest du die Front dann quasi so niedrig halten, das der Unterkiefer beliebig weit nach vorne gleiten kann ohne Berührung?
Zuletzt geändert von Insel am Dienstag, 08. Januar 2019, 16:13:38, insgesamt 2-mal geändert.
Grund: Überschrift angepasst
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Re: Front-Eckzahnführung?

Beitragvon Lara » Dienstag, 08. Januar 2019, 12:42:05

Ist mit feshaken gemeint, dass die Bewegung des Kiefers durch zu hohe Stellen an bestimmten Stellen gehindert wird?
Und meinst du mit den schwachen Kontakten in der Front bei Gesunden, dass die hinteren Molaren störker ausgeprägte Kontakte haben sollten als die weiter vorne liegenden? Hätte man dadurch nicht eine durchgängig protrusive Wirkung? Oder sorgt gerade dass dafür, dass der Kiefer nicht in Kompression geraten kann?
Zuletzt geändert von Insel am Dienstag, 08. Januar 2019, 16:14:16, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Faden aus dem internen Bereich, dort "Probleme durch Schiene" hierher ausgelagert
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Re: Re: Front-Eckzahnführung?

Beitragvon Insel » Dienstag, 08. Januar 2019, 16:25:22

Liebe Lara,

die meisten gut gemachten Schienen haben keine Front, weil diese so verdammt schwierig einzustellen ist. Knallt die Front zuerst auf, tritt ein Rückwärtsreflex des Unterkiefers ein, was schlecht fürs Kiefergelenk ist, weil dieses dann weiter komprimiert wird = schlimmere CMD durch Schiene. Der Kiefer braucht auch keinen Frontstopp, um nicht zu weit nach vorne zu gleiten.

Das ist aber eine Frage der Behandlungsphilosophie: Beruht CMD darauf, dass - wie die Gnathologen annehmen - der Kiefer quasi zu weit aus dem Gelenk herausgekommen ist? Oder beruht CMD darauf, wie die neuromuskulär arbeitenden Zahnärzte annehmen, dass unter CMD das Kiefergelenk gestaucht ist? Ich tendiere aufgrund meiner Erfahrung ganz klar zu letzterem. Dennoch sollte deswegen nicht eine vermeintliche Lösung darin gesehen werden, den Unterkiefer mittels Schiene maximal protrusiv einzustellen, was auch manche machen, und meiner Erfahrung nach ebenfalls nicht sinnvoll ist.

Zu Deinen weiteren Fragen:
- "Festhaken" meint Störkontakte oder Vorkontakte, die ein Gleiten des Kiefers in seinen natürlichen Bewegungsbahnen hindern (Dynamik).
- An den Frontzähnen gibt es nur 1 Kontakt, auf den Molaren sollten es 2-3 sein. Aber auch hier gibt es die unterschiedlichsten Konzepte, von der einfachen Mörser-Pistill-Theorie nach Gerber bis hin zu den ausgefeiltesten gnathologischen Theorien, die noch weit komplizierter sind als z.B. ABC-Kontakte.
- Ja, die Molaren sollten immer den Hauptkaudruck aufnehmen, was bei reiner Front-Eckführung meines Erachtens nur schwer geht. Dass das so ist, dazu muss man sich nur mal anschauen, wie Zähne geformt sind. Frontzähne haben nur 1 Wurzel, Backenzähne 4-6. Dieses "Mehr" an Wurzeln bedeutet, dass dort die größten Kräfte natürlicherweise aufgenommen werden können. Dazu muss aber genau dieser Bereich "stimmen", und das tut er unter CMD nicht.

Ich bin der Meinung, dass man gar nicht so viel Okklusion braucht, wie das manche Gnathologen meinen. Dennoch hat eine Michigan-Schiene mit Front-Eckführung meiner Ansicht nach zu wenig Okklusion und in der Regel eine schlechte Bisslage, da sie den Kiefer im Molarenbereich in der Regel nicht gut abstützt, dafür aber die Front gefangennimmt. Leider ist diese in mehrfacher Hinsicht problematische Michigan-Schiene das, was fast jede Uni-Klinik für Zuzahlung um 300 Euro als Standard"versorgung" anbietet.

Aber wer bin ich, das zu kritisieren? Ich kann nur sagen, dass mir persönlich solche Schienen nichts nützen, im Gegenteil.

LG Insel
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