Zahnspange umstritten, Debatte greift zu kurz

# Sogenannte "kieferorthopädische" und kieferchirurgische Behandlungen: Möglichkeiten und Grenzen
# Aligner, feste Zahnspangen, Gaumenerweiterung, Multiloop, Sato
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# Kieferoperationen: Le Fort, Dalpont, Obwegeser

Zahnspange umstritten, Debatte greift zu kurz

Beitragvon Insel » Freitag, 04. Januar 2019, 15:06:56

Aktuell werden Zahnspangen und deren möglicher "Nutzen" am Bundesrechnungshof, im Gesundheitsministerium, in Zeitungen und Medien debattiert.* Allerdings werden dabei nicht die richtigen Fragen gestellt, entsprechend oberflächlich bleibt die Diskussion. Wirkliche Probleme kommen nicht zur Sprache.

Jeder, der ein Kind im Teenager-Alter hat, kann ein Lied davon singen: Zahnspangen sind teuer. Mit Zahnspangen aber werden private Gewinne erwirtschaftet, für die Eltern als Beiträger zu den gesetzlichen Krankenkassen und als Selbstzahler aufkommen. Minderjährige werden nicht gefragt und umstrittenen Behandlungen unterzogen. Schließlich, so sollte man denken, sind gerade Zähne heute Standard und das Aufrichten von Zähnen wäre angesichts des Fortschritts in der Medizin kein Problem mehr. Bei entsprechender Aufschlagszahlung kann die Behandlung sogar vermeintlich "unsichtbar" erfolgen.

Bleibt nur noch die Frage: Woher das Geld dafür nehmen?

Weit gefehlt! Die aktuelle Debatte kreist mit Fokus auf der Frage nach den zunächst anfallenden Kosten lediglich um die Spitze des Eisbergs. Grundsätzlich wichtige, ja lebenswichtige Fragen kommen zu kurz. Stellen Sie sich bitte selbst einmal und eventuell auch dem Kieferorthopäden, dem Sie Ihr Kind anzuvertrauen gedenken, folgende Fragen:

1. Wo liegt eigentlich die Ursache für das gehäufte Auftreten sogenannter Zahn- und Kieferfehlstellungen? Stimmt die Annahme, es handele sich um Vererbung (Genetik), wenn Eltern und Großeltern gerade Zähne haben, die Kinder aber plötzlich schiefe? Kann man eine angebliche Krankheit behandeln, deren Ursache man nicht kennt? Was passiert, wenn man in ein System eingreift, dessen Funktion man nicht begreift?

2. Sind Zahnspangen die passende Antwort auf gehäufte Zahnfehlstellungen beziehungsweise eine ursächliche Therapie dafür? Sind Zahnspangen auch dann noch nützlich, wenn nach wenigen Jahren die Zähne wieder schief sind oder man das Ergebnis der Spangenbehandlung lebenslang mit weiteren Gerätschaften im Mund (sogenannten Retainern) erhalten muss?

3. Welche Folgen kann das Tragen von Zahnspangen für die allgemeine Gesundheit eines Menschen mit sich bringen, welche Folgen hat dabei insbesondere das standardmäßige Ziehen gesunder Zähne, und zwar

a) mit Blick auf den Zahnhalteapparat,
b) mit Blick auf das Kiefergelenk und die Kopfgelenke,
c) die Körpermuskulatur und die Wirbelsäule?

Es stellt sich somit die Frage nach den tatsächlich anfallenden Kosten. Kosten, die mitunter in einer wertvolleren Währung als Geld bezahlt werden müssen, "Kosten", die diejenigen bezahlen, denen als unmündigen Kindern ein vermeintlicher "Nutzen" versprochen wurde.

* http://www.spiegel.de/gesundheit/diagno ... 46257.html
https://www.bild.de/politik/inland/poli ... .bild.html
https://www.welt.de/gesundheit/article1 ... klich.html
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