Hängen Kauebene, Kiefer und Wirbelsäule zusammen?

# Genetische Theorie der sog. „Kieferorthopädie“: angeborene kleine Kiefer
# Psychosomatische Theorie in Teilen der Zahnheilkunde bzw. unbekannte Ursache
# Umwelteinfluss: Chemikalien, Atemwegsprobleme, Mundatmung, Zungenschwäche, Kieferkollaps; sitzende Lebensweise, Unfälle, Halswirbelschäden, Eingriffe in den Kauapparat
# Prävention: Brust-Stillen, Ernährung im Kindesalter, Zungentraining, Vermeidung unnötiger Eingriffe an Zähnen und Kiefer, Aufklärung

Hängen Kauebene, Kiefer und Wirbelsäule zusammen?

Beitragvon Insel » Freitag, 07. Dezember 2018, 17:53:39

In den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts berechnete der amerikanische Prothetik-Ingenieur Casey Guzay, dass der Unterkiefer sein Rotationszentrum nicht im Kiefergelenk habe, sondern auf Höhe zwischen den oberen beiden Halswirbeln C1 und C2.

Casey M. Guzay.png
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Krankhaft sei insbesondere ein tiefer oder abgesunkener Biss, bei dem die Kauebene über der Achse zwischen C1 und C2 liege, so Guzay. Dabei würden Kiefergelenk und die Halswirbelsäule komprimiert.

Das folgende Bild zeigt links Normalbiss, rechts einen abgesunkenen Biss. Man beachte, wo der Grünpfeil, welcher der Ebene der Kaufläche entspricht, jeweils durch die Wirbelsäule geht:

Kauebene + C1, C2.png
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(Pfeile von mir)

Ich leite daraus ab: Ein abgesunkener, komprimierter Kiefer übt starken Druck auf den Nacken aus.
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Der amerikanische Zahnarzt Dr. Aelred Fonder erkannte in Guzay's mathematischer Berechnung Zusammenhänge zu seinen Beobachtungen aus dem klinischen Alltag in seiner Praxis. Im Zeitraum der 40er bis 70er Jahre hielt er die Folgen eines abgesunkenen Bisses fest und veröffentlichte die Ergebnisse vor über 30 Jahren, im Jahre 1987 in der Zeitschrift "Basal Facts".

Folgen eines veränderten Bisses laut Fonder :

    # C1 und C2 geraten außer Position. Entweder es kommt zum Phänomen des "Stiernackens", heute bekannt als das typische Symptom eines Steilstandes der Halswirbelsäule. Alternativ zur ebenfalls typischen Kopfvorhaltung, heute bekannt als forward head posture.
    # Weiterhin lassen sich Skoliose und Lordose, also Wirbelsäulenverkrümmungen und einseitige Schulterhoch- bzw. Tiefstände beobachten. Es kommt zur Verwindung der Wirbelsäule in sich.
    # Aber auch die am Kauprozess beteiligten Muskeln geraten unter Hochspannung, ebenso verspannt die harte Hirnhaut (dura mater).

Diese Symptome verschwinden in kurzer Zeit, wird mit einem Aufbissbehelf auf den Molaren die Bisshöhe und Führung korrekt eingestellt. Der Blutfluss zum Gehirn normalisiert sich. Schädel-, Muskel- und Rückenschmerzen verschwinden. Auch bei unklarer Ursache von Beschwerden wie Allergien, Asthma oder Schuppenflechte konnte eine Verbesserung erzielt werden.

Dr. Fonder zählt zu den Symptomen der von ihm damals "Dentales Schmerz-Syndrom" genannten Krankheit: Kopfschmerzen, Schwindel, Hörverlust, Depression, Angst, Nervosität, Suizidalität, Schlaflosigkeit, Sinusitis, Erschöpfung, Verdauungsprobleme, Verstopfung, Hautausschlag, Allergien, häufiger Harndrang, gynäkologische Probleme.

Laut Fonder darf man den Körper nicht vom Kiefer trennen, weder gedanklich, noch durch Behandlungen, sonst komme es zu schweren Krankheitszuständen. Körperhaltung und Kieferstellung sind verschaltet und beeinflussen sich gegenseitig. Das erkannte Fonder vor Jahrzehnten. Die Lösung sah er in einer stabilen Abstützung der Kauebene im Molarenbereich.

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Aufsatz Dr. Fonder in englischer Sprache, mit älteren, bebilderten Patientenberichten (asiatischen Anfangs-Teil überscrollen):
http://blog.naver.com/PostView.nhn?blog ... m=postView

Bildquelle Foto Guzay: https://www.slideshare.net/Iemplate/3-0 ... pan-6-2008

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Wer bis hierher gelesen hat:
1. Was haltet ihr persönlich von Guzay's Entdeckung und von Fonder's praktischen Ableitungen und Erfahrungen?
2. Werden oder wurden Erkenntnisse von Guzay und Fonder heute bei Euren Behandlungen, die ihr erfahren habt, praktisch berücksichtigt?
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Re: Hängen Kauebene, Kiefer und Wirbelsäule zusammen?

Beitragvon Chickenita9 » Samstag, 08. Dezember 2018, 12:58:48

Vielen Dank für die Links und die Zusammenfassung. Ich bin vor ein paar Tagen in einem englischsprachigen Netzwerk auch auf diesen Forscher aufmerksam gemacht worden und finde das definitiv sehr interessant. Ich werde mir die Tage die Quellen mal durchlesen und mich dann nochmal melden, ob und wie meine aktuelle Behandlung zu diesen Ergebnissen passt.

LG Chickenita
Chickenita9
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