Mögliche Ursachen von CMD, Kampagne in GB

# Genetische Theorie der sog. „Kieferorthopädie“: angeborene kleine Kiefer
# Psychosomatische Theorie in Teilen der Zahnheilkunde bzw. unbekannte Ursache
# Umwelteinfluss: Chemikalien, Atemwegsprobleme, Mundatmung, Zungenschwäche, Kieferkollaps; sitzende Lebensweise, Unfälle, Halswirbelschäden, Eingriffe in den Kauapparat
# Prävention: Brust-Stillen, Ernährung im Kindesalter, Zungentraining, Vermeidung unnötiger Eingriffe an Zähnen und Kiefer, Aufklärung

Mögliche Ursachen von CMD, Kampagne in GB

Beitragvon Insel » Samstag, 13. Oktober 2018, 15:47:09

Derzeit läuft in Großbritannien eine Kampagne, welche mögliche Ursachen von CMD beleuchtet:

https://preventcrookedteeth.com/

Die zugehörige Petition:

https://www.change.org/p/public-health- ... ent-policy


Für diejenigen, die weniger gut Englisch können, versuche ich, die Theorie auf Deutsch zusammenzufassen.

Grundannahme ist, dass der moderne Lebensstil mit wenig Bewegung, weicher Nahrung und fehlender oder zu kurzer Brustfütterung von Säuglingen zu einem Längenwachstum des Gesichts mit zu kurzen Kieferknochen führe, in denen die bleibenden Zähne keinen Platz finden. Auf diese Weise komme es zum Phänomen der schiefen und gekippten Zähne. Die konventionelle Kieferorthopädie begegnet diesem Problem mit festen Spangen und dem Ziehen von Zähnen, immer der Weisheitszähne, manchmal auch von zwei bis vier kleinen Backenzähnen. Im Ergebnis aber, aus medizinischer Sicht, werde dadurch das Problem der seitlich verkürzten und in die Länge und nach unten gewachsenen Kiefer noch verschärft, was folgendes Bild des Kampagnen-Starters demonstriert:

(c) Dr Mike Mew.png
(c) Dr Mike Mew.png (105.22 KiB) 120-mal betrachtet


Das Problem dabei ist, dass die Zunge umso weniger an ihrem natürlichen Platz am Gaumendach bleiben könne. Oft werde sie zwischen den Zähnen gehalten, was das Problem verschärfe. In der Nacht falle die Zunge nach hinten in die Atemwege, was zur oft nicht bemerkten, aber auf Dauer lebensbedrohlichen Schlaf-Apnoe führen könne. Außerdem erhöhe ein ingesamt längliches und nach hinten unten gewachsenes Gesicht die Gefahr, Kiefergelenkserkrankungen zu entwickeln. Rückverlagerung des Unterkiefers und Kompression des Kiefergelenks sind seit langem als die Ursache von CMD bekannt. Neu ist bei der hier vorgestellten Theorie die Bedeutung des statt nach vorne oben nach hinten unten gewachsenen Oberkiefers, welcher den Unterkiefer (und damit das Kiefergelenk) quasi "gefangennimmt".

Ich halte die Theorie für nicht unplausibel! Allerdings frage ich mich, ob wirklich weiche Nahrung und Allergien, infolgedessen Mund- statt Nasenatmung als Hauptursachen für die falsche Zungenposition und Nasenatmung ausgemacht werden können? Wie kommt es zu solchen Allergien? Welche Rolle spielen dabei die Umweltverschmutzung, die Qualität der Luft, die wir atmen? Das möchte ich hier zur Diskussion stellen!
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Re: Mögliche Ursachen von CMD, Kampagne in GB

Beitragvon Chickenita9 » Sonntag, 14. Oktober 2018, 08:23:11

Vielen Dank Insel für die Zusammenfassung.

Für diejenigen unter uns, die gut Englisch können, möchte ich an dieser Stelle noch ergänzen, dass der Ersteller der Petition Mike Mew auf YouTube im Kanal Orthotropics sehr aktiv ist. Neben zahlreichen Videos zum Thema Myofunktionen und Kiefer hält er uns dort auch auf dem Laufenden, was die Petition anbelangt.
Die British Orthodontic Society versucht aktuell die Kampagne zu bekämpfen.
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Re: Mögliche Ursachen von CMD, Kampagne in GB

Beitragvon Insel » Sonntag, 14. Oktober 2018, 11:08:18

Danke für den Hinweis auf den YT-Kanal. Auch wenn ich die Petition verlinkt habe, die politische Dimension und den Verlauf der Kampagne bei Bedarf bitte intern im entsprechenden Bereich diskutieren.

Mir geht es hier darum, inwiefern die Theorie von Mew plausibel erscheint, wonach

# fehlendes oder zu kurzes Brust-Stillen,
# zu weiche Nahrung, zu wenig Kauen harter Nahrung,
# falsche Zungenlage (zwischen den Zähnen statt im Gaumen), kindliches Schluckmuster und Mund- statt Nasenatmung

zu einer mangelhaften Ausbildung des Kiefers führt. Stimmt das so? Hat z.B. jemand an sich solche Beobachtungen machen können, die mit dieser Theorie übereinstimmen?
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Re: Mögliche Ursachen von CMD, Kampagne in GB

Beitragvon Chickenita9 » Donnerstag, 01. November 2018, 18:04:34

Meine eigenen Beobachtungen bestätigen seine Thesen. Ich selbst wurde nicht gestillt und habe als Kind durch den Mund geatmet. Mein Oberkiefer war schon im Kindesalter unterentwickelt. Dazu kam eine falsche KFO, die u.a. das Wachstum des OK hemmte/stoppte statt es zu fördern. Es entwickelte sich eine CMD und die von Mike Mew oft angesprochene falsche Haltung. Meine Zungenruhelage und mein Schluckmuster waren als Kind ebenfalls falsch. Den Logopäden gelang es damals aber nicht, dass zu korrigieren - wie denn auch wenn der Gaumen durch eine Zahnspange verbaut ist und die Nasenatmung nicht geht.
In meiner jetzigen Behandlung wurde mein OK gedehnt bis auf eine intermolare Weite von 39mm (selbst am Modell gemessen). Mike Mew hat ja schon einige Male gesagt, dass man den Gaumen auch im Erwachsenenalter dehnen kann. (Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=QCNqbvOALZI) Er strebt dabei wohl 38-42mm bei Frauen und 38-44mm bei Männern an. Zum Vergleich nannte er an anderer Stelle 29-34mm als übliche Werte in UK. Er selbst präferiert ja semi-rapid expansion. Ich persönlich hatte slow expansion und bin damit mMn auch gut gefahren. Ich kann an der Stelle nicht beurteilen, welche Geschwindigkeit da besser ist. Meine Nasenatmung, meine Haltung und meine CMD haben sich in jedem Fall deutlich verbessert. Seitdem schlafe ich auch besser. Seit neuestem reicht mir sogar ein Kissen statt zwei oder drei.
In den letzten sechs Monaten habe ich nochmal intensiv an meiner Zunge und der Mundmuskulatur allgemein gearbeitet, z.T. mit logopädischer Hilfe z.T. aber auch mit den von ihm empfohlenen Übungen. Da gibt es ja eine sehr große Schnittmenge. Parallel dazu habe ich weiter meine Haltung verbessert und bin da auch immer noch dabei. Mir hat das auf jeden Fall nochmal viel geholfen. Das merke ich vor allem daran, dass ich auch nach längeren Tagen weniger Verspannungen habe als zuvor. Optisch sieht man auch schon eine kleine Veränderung ins Positive.
Was das Kauen angeht mache ich auch Fortschritte. Ich habe gezielt zähere Nahrung gekaut und gezielt auch wieder links gekaut. Das hatte ich seit der KFO im Kindesalter nicht mehr wirklich gemacht. Letzte Woche habe ich dann zum ersten Mal wieder gebratenes Fleisch und Wasserwecken gegessen - und das sogar auf beiden Seiten ohne Schmerzen oder Kiefergelenksproblemen.
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