Was genau ist "klinische Funktionsdiagnose"?

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Was genau ist "klinische Funktionsdiagnose"?

Beitragvon Basti34 » Dienstag, 20. März 2018, 11:51:40

Hallo liebe Gemeinde,

hätte heute mal eine etwas spezielle Frage. Nachdem bei mir letzte Woche ein Zahnarzt CMD diagnostiziert hatte (bin gerade noch für 2. Meinung bei einer anderen Ärztin), wollte der Arzt am liebsten sofort anfangen.

Er machte hierbei ein OPG, meinte danach ich hätte CMD und das die Therapie 1900 € kosten würde. Davor oder danach schaute er sich kurz meine Zähne an, wollte das ich meine Zähne zusammenbeiss und dann nach rechts schiebe und glaub ich noch auf dem Papier rumklapper.

Generell kommt mir der Zahnarzt sehr komisch vor, als würde er erstmal die Diagnose nennen und hoffen, dass meine Zahnschmerzen dort her kommen...bin mir da aber noch unsicher.

Da ich, als er nach Nennung des Preises und der Frage "Wollen wir das machen?" aber bereits unter starker Angst, "ja" sagte, machte die Schwester gleich nen Abdruck für die Schiene.

Draussen wurde mir dann der Kostenvoranschlag präsentiert und das ich auf jeden Fall den Abdruck schon mal bezahlen müsste, weil ich "Ja" gesagt habe.

Frage mich jetzt, ob die Untersuchung (Zähne zusammen, nach rechts und im besten Fall das Papier) schon als "klinische Funktionsanalyse" zu bezeichnen ist und mir der Arzt dies ebenfalls in Rechnung stellen könnte, sollte ich die Behandlung dort nicht machen wollen?

Hoffe ihr könnt mir dabei helfen.

LG Basti
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Re: Was genau ist "klinische Funktionsdiagnose"?

Beitragvon Insel » Dienstag, 20. März 2018, 12:44:33

Da hat jeder Arzt seine eigenen Ansprüche. Da du "ja" gesagt hast, ist der Arzt bzw. die Schwester mit den "Abdrücken" aus dem Schneider. Das darf er. Hättest du nein gesagt, sähe es anders aus. Ob und wie Du der "Funktionsdiagnose" zugestimmt oder nicht zugestimmt hast, kann ich deinem Text nicht entnehmen.

Was nun die sog. "Funktionsdiagnose" angeht, fällt die etwas dürftig aus. Von einem Röntgen kann man ein Kiefergelenk quasi erst beurteilen, wenn es schon sehr schwer geschädigt ist. Das "Papier" ist "Artikulationspapier", auch "Okklusionspapier" genannt, technisch ähnlich dem Durchschlagpapier einer Schreibmaschine (falls du das noch kennst). Damit kann man nur einzelne Vorkontakte an Zähnen sehen bzw. den Biss vage beurteilen (manchmal nennt man das im Arztdeutsch hochgestochen "instrumentelle Funktionsanalyse", die kann aber auch noch mehr umfassen).

Lange Rede, kurzer Sinn, zur Diagnostik gehört auf jeden Fall über das, was der Arzt bei Dir getan hat, meiner Meinung nach mindestens mit dazu:
- ausführliches Gespräch, wo man nach CMD Symptomen fragt,
- manuelle Funktionanalyse, dh. Abtasten möglicher Schmerzpunkte im Gesicht, Nacken, Schädel, Mund (aber auch da wird oft unsinnig Schmerz zugefügt),
- Kiefergelenkgeräusche mit dem Stethoskop abhören,
- Röntgen HWS in Seitansicht,
- eventuelle ein Elektromyogramm der Muskeln.
(es gibt noch mehr Möglichkeiten, zB. Muskelfunktionstests unter Zubeißen im Vergleich zu nicht Zubeißen u.v.a.m. )

Das ist aber auch alles eine Frage der Kosten. Erfahrungsgemäß würde ich sagen, dass du mit einem eher mechanistisch denkenden Zahnarzt zu tun hast, der v.a. und zuerst die Okklusion sieht, aber die Muskeln entweder nicht auf dem Schirm hat oder für vernachlässigbar halten könnte. Meiner Meinung ist CMD so eher nicht wirklich sicher zu diagnostizieren, aber das ist eben auch nur meine Meinung, mehr nicht. Die kann falsch sein.

Du siehst, in dem Bereich gibt es kaum Standards. Ich hoffe, das hilft Dir irgendwie weiter?
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Re: Was genau ist "klinische Funktionsdiagnose"?

Beitragvon Basti34 » Dienstag, 20. März 2018, 13:21:59

Hallo Insel,

vielen Dank für diese umfassende Antwort.

Da hat der entweder fast nix für die Diagnose gemacht (wofür er laut Kostenvoranschlag immerhin knapp 100 € allein berechnen würde) oder die würde erst noch kommen.

Komm mir bei dem Zahnarzt, wie bereits geschrieben, irgendwie gedrängt vor, die Therapie zu machen. Vorher will er keine Behandlungen mehr im Zahnraum machen und ebenfalls habe ich noch 3 Zahnlücken, wo ich persönlich es besser finden würde, die erstmal zu machen.

War daher eben gestern noch einmal bei einer gesamtheitlichen Zahnärztin, die sich ebenfalls darauf spezialisiert hat (ist im CMD Netzwerk S., der erste Arzt trotz seiner Kosten und "Dros"-Zertifikate nicht).

Die würde jetzt erstmal ein Röntgenbild von Zahnarzt 1 haben wollen, um zu sehen, ob nicht doch noch was im Argen ist und dann eine Funktionsanalyse mit Dokumentation und weiteren Extras für 139 € machen wollen, um zumindest erst einmal herauszufinden, ob ich es habe.

Bin da immer noch hin- und hergerissen.

Aber danke dir erstmal sehr.

LG Basti
Zuletzt geändert von Insel am Dienstag, 20. März 2018, 13:41:12, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Was genau ist "klinische Funktionsdiagnose"?

Beitragvon Insel » Dienstag, 20. März 2018, 13:50:55

Gern, deine Entscheidungen kann ich dir nicht abnehmen.

Dros ist ein bestimmtes Vermessungssystem, das ich persönlich jetzt nicht so super finde. Aber auch Begriffe wie "Spezialist", "spezialisiert", "ganzheitlich" oder "Netzwerk" sind nicht geschützt. Das kann im Einzelfall was Gutes heißen, muss es aber nicht.

Die Preise für die Diagnose halten sich meiner Meinung im Rahmen. Der Zahnarzt kriegt bei sowas auch nicht viel von der gesetzlichen Kasse, weil es für die Kasse die Krankheit CMD so nicht gibt. Also kann (oder darf?) die auch nicht diagnostiziert oder bezahlt werden ;)

Was nun die Ersetzung dreier Zähne angeht: Klar, das kann man vorher machen, nur wird es dadurch auch nicht billiger, weil man diese Zähne ja irgendwie in den Biss mit einbeziehen muss und das ist, solltest du CMD haben, nicht so einfach zu machen.

Ich persönlich bin für "neuromuskulär" arbeitende Behandler, aber auch das ist ein Etikett, das Vieles (Unterschiedliches) bedeuten kann...
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Re: Was genau ist "klinische Funktionsdiagnose"?

Beitragvon Basti34 » Dienstag, 20. März 2018, 14:37:04

Hallo nochmal,

das klingt gut, meine Ärztin hat auch Funktionsmedizin mit eingeschlossen, um es genau auszudrücken:

Funktionszahnmedizin
Der Begriff Funktionszahnmedizin bezeichnet eine spezielle Untersuchung des gesamten Kausystems auf dessen „Funktion“, nämlich dem Zusammenspiel von weichen und festen Strukturen der Kopf- und Hals-Region wie z. B. Zähne, Kiefergelenke, Halswirbelsäule und des neuromuskulären Bereichs.

Da sollte dort ja ebenfalls auf den neuromuskulären Bereich geachtet werden :)
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Re: Was genau ist "klinische Funktionsdiagnose"?

Beitragvon Insel » Dienstag, 20. März 2018, 15:01:05

Ich wäre trotzdem erstmal skeptisch, der Begriff kann Vieles heißen. Häufig scheinen im Bereich CMD neue Begriffe aufzutauchen, z.B. "Funktionszahnmedizin" habe ich noch nie gehört. Was soll das nun wieder heißen? Muss nicht jede Medizin, auch Zahnmedizin, eine Funktion haben bzw. für Funktion sorgen? Kann z.B. ein Automechaniker dir dein Auto von der Reparatur zurückgeben, ohne dass es funktioniert? Und wenn es denn funktioniert, ist er dann "Funktionsmechaniker"?

Ich will das nicht veralbern, aber dazu anregen, nicht auf jeden Begriff anzuspringen. Keiner der Begriffe ist standardisiert oder geschützt. Jeder kann sich z.B. "Spezialist" oder "Experte" nennen. Ich würde fragen: Nennt sich einer selber so? Oder wer nennt ihn so? Eine Organisation? Wenn ja, welche? Und welche Kriterien muss einer erfüllen, damit ihn ein Verein "Spezialist" oder wie auch immer nennt? Darauf würde ich z.B. acht geben.

Das gilt auch für den Begriff "neuromuskulär". Der Begriff ist schnell gesagt, auch von mir. Aber was steht für denjenigen, der ihn verwendet, mit Blick auf CMD dahinter? Ich glaube, das ist ganz wichtig, sich genau zu informieren, so tiefgründig wie möglich. Dazu ist das Forum da, vielleicht auch, so wäre meine Hoffnung, zu verhindern, dass jeder Neue die Fehler von den Alten macht... weil das Teuerste ist gar nicht mal das Geld, mit dem man zahlt.

Aber ich will Dir die Dame auch nicht madig machen, gehe einfach hin und v.a. vergleiche mehrere Ärzte, bevor du was unterschreibst oder machen lässt. Wenn du irgendwo das Gefühl hast, es geht nur ums Geld oder ums Machen, damit was gemacht ist, dann mach's lieber nicht. Es muss auch irgendwo die menschliche Seite mit einem Behandler stimmen, weil CMD behandeln, das geht weder billig, noch von heute auf morgen, das musste ich auch lernen.
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Re: Was genau ist "klinische Funktionsdiagnose"?

Beitragvon Basti34 » Mittwoch, 21. März 2018, 13:24:52

Hallo Insel,

vielen, vielen Dank noch einmal für deine umfassende Antwort.

Hab mich jetzt erstmal für den Test bei der Dame entschieden.

Der erste Zahnarzt wollte nur für den Abdruck für die Schiene ca. 70 € haben, das geht aber noch, dafür das ich dachte, er hätte doch schon irgendwie die Funktionsanalyse gemacht.

Find ich aber auch komisch, dass er mir die ganze Therapie machen wollte, ohne eigentlich die Funktionsdiagnose zu machen und damit erstmal wirklich sicherzustellen, ob ich nun wirklich CMD habe oder meine Zahnschmerzen doch von woanders her kommen. Eigenartiger Mensch, aber wer weiss :)

Zeige jetzt am Donnerstag erstmal mein Röntgenbild von letzter Woche und dann wollt die schauen, ob da nicht doch noch was ist und falls nicht mit mir weitere Schritte besprechen. Schon mal besser als gleich so "hopp hopp" wie der erste Zahnarzt.

Und die 140 Euro für den Test sollte ich grad noch so verkraften können, trotz Elternzeit in 1-2 Wochen (langsam steigt die Panik auf den Tag, wenn meine Frau zu mir sagt ... "wir müssen ins Krankenhaus" ins Unermessliche ;) ... Geburtstermin wäre Anfang April)

LG Basti
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