Eulilia - eine Neue in der Runde

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Eulilia - eine Neue in der Runde

Beitragvon Eulilia » Mittwoch, 22. August 2018, 10:57:47

Hallo an alle!

Ich möchte mich (45) und meine CMD-Vorgeschichte kurz (?) vorstellen und habe abschließend eine Frage. Den Regeln unter viewtopic.php?f=1&t=141 stimme ich zu.

Den Ausgang nahmen meine CMD-Beschwerden Anfang Januar 2018. Es wurde eine umfangreiche Zahnersatzbehandlung durchgeführt, vor der ich keinerlei Probleme mit Zähnen/Biss/Kiefer hatte. Indikation waren 25 Jahre alte Goldkronen, die einfach nicht mehr schön aussahen. Der Zahnarzt hatte mir aus ästhetischen Gründen eine KFO-Behandlung empfohlen, die ich jedoch nach Konsultation und Beratung mit einer auf Erwachsenen-KFO spezialisierten Ärztin nicht durchführen ließ. Sie sagte, es bestehe keine medizinische Indikation und ich solle die Behandlung nur durchführen lassen, wenn mich (und nicht den ZA) wirklich optisch etwas störe, man könne durch eine KFO auch schon mal Probleme auslösen, die man vorher nicht hatte (!!).

Was wurde gemacht? Neue Vollkeramikkronen auf 45, 46, 47 und neue Keramikbrücke auf 15-17 zementiert. Ohne mein Wissen wurde dabei die sagittale Kompensationskurve nivelliert, wobei 46 um 1,5 mm erhöht und die Nachbarzähne und Antagonisten entsprechend gekippt und angepasst wurden. Zahn 18 wurde gezogen, 48 blieb drin (wollte ich mir nicht ziehen lassen wegen ungünstiger Lage der Wurzel). Zahn 44 wurde aus ästhetischen Gründen gekürzt. Wie ich heute weiß, war er bei mir zusammen mit 13 zuständig für die Eckzahnführung (Die beiden 4er oben wurden in der Kindheit im Rahmen einer KFO-Behandlung entfernt. 43 liegt bei mir etwas nach vorne verschoben leicht quer.).
Direkt nach dem Kürzen von 44 habe ich gemerkt, dass was nicht stimmt: Ich hatte plötzlich mit meinen ganzen Schneidezähnen Kontakt, was vorher nicht der Fall war. Also kürzte der Zahnarzt die Schneidezähne unten ebenfalls. Da war vorher null Abrasion, ich hatte bis dahin sogar noch die typischen kleinen natürlichen Kerben.

Von Anfang an hatte ich Aufbissschmerzen in 15, 45, 17 und 47 und das Gefühl, dass die Brücke oben „nicht meine Zähne“ sind. Seit Anfang Januar benutze ich die rechte Seite nicht mehr zum Kauen. Es folgten zahlreiche Einschleifmaßnahmen, der gesamte rechte Seitenzahnbereich wurde massiv gekürzt, um die Zähne wegen der Aufbissschmerzen „aus der Okklusion“ zu nehmen. Nach 4 Wochen wurde die Brücke oben entfernt und ein Provisorium eingesetzt, weitere zwei Wochen später 15 wurzelbehandelt (ohne Rö-Bild vorher, denke, es war eine Fehlindikation). Die Aufbissschmerzen wurden trotzdem nicht besser. Ich hatte das Gefühl, das mein ganzer rechter Kiefer total schief ist.
Das war der Zeitpunkt, an dem ich mir eine zweite Meinung bei einem anderen ZA einholte: Überlastung des Zahnhalteapparates bedingt durch die umfangreichen Veränderungen auf dem Boden einer schwierigen Ausgangslage. – Das verhinderte zumindest, dass ich mir Zähne ziehen ließ.

Das Provisorium wurde vom „alten“ ZA erhöht, weil mich der schiefe Biss extrem störte. Daraufhin setzten im April erstmals andauernde Zahn-/Kieferschmerzen vor allem rechts oben ein, die ich jetzt mal als „CMD-Schmerzen“ bezeichne. Der Zahnarzt verpasste mir eine UK-Knirscher-Schiene, die nichts brachte. Die Geschichte mit dem Zahnhalteapparat hält er für Nonsens, hat aber auch kein anderes Konzept zu bieten. Aufbissschmerzen kämen immer von zu hohen Zähnen.

Die Knirscherschiene habe ich auf ein altes UK-Modell von mir aufgesetzt und erkannte jetzt erstmal, welche enormen Unterschiede zum Status ante bestanden. Damit bin ich dann zu einer ZÄ mit Funktions-Schwerpunkt gegangen. Die hat mich eingehend untersucht, die Modelle vorher/nachher ausgemessen und verglichen. Sie sagte, die Aufbissschmerzen und die CMD-Schmerzen seien zwanglos mit der durchgeführten Zahnersatzbehandlung zu erklären. Als Erstmaßnahme erhielt ich einen Aquasplint für nachts, der echt den Durchbruch brachte: Nachts keine CMD-Schmerzen mehr und tagsüber zumindest bis spät nachmittags auch nicht. Das war Anfang Juni. Seitdem habe ich auch Manuelle Therapie. Es folgte eine Bissnahme nach Entspannung: Biss rechts zu niedrig, also entsprechende Schiene gefertigt, die ich aber nicht gut vertrug. Die CMD-Beschwerden verschlimmerten sich darunter, also wieder zurück zum Aquasplint. Das Ziel war, solange mit Schienen zu probieren, bis eine gute Position gefunden wäre, um dann intraoral die neuen Kronen entsprechend zu beschleifen. Die Wurzeln würden jetzt nicht mehr axial, sondern tangential belastet, das müsste rückgängig gemacht werden. Im offenen Gespräch mit der ZÄ wurde aber klar, dass die Kronen unten wahrscheinlich bis auf den Zement abschliffen werden müssten, um die veränderten Vektoren als Ursache für die Aufbissschmerzen adressieren zu können. Sie sagte ganz klar, wenn man monetäre Aspekte außer Acht ließe, rein medizinisch betrachtet, würde sie, wenn sie selbst betroffen wäre, den Status ante soweit wie möglich wieder herstellen lassen und auf dieser Basis weiter an den CMD-Beschwerden arbeiten.

Der ursprüngliche Zahnarzt wollte als letzten Nachbesserungsversuch die inzwischen neu angefertigte Brücke entsprechend der Bissnahme unter Entspannung erhöhen und provisorisch einsetzen. Das war vor drei Wochen. Seitdem sind die CMD-Schmerzen zeitweise unerträglich, trotz Aquasplint und auch ohne Aquasplint. Inzwischen habe ich mich von dem Zahnarzt getrennt. Die Kostenfrage ist geklärt. Die ZÄ wird die weitere Behandlung übernehmen.

Sie hat jetzt zunächst einmal die Brückenerhöhung durch Einschleifen etwas zurückgenommen. Das fühlt sich zumindest im Mund schon wieder etwas normaler an, nicht mehr so „verkeilt“. An den CMD-Schmerzen hat das aber nichts geändert, höchstens, dass diese jetzt ein bisschen umherwandern: Mal obere Zahnreihe, mal untere. Gegen die zermürbenden CMD-Schmerzen nehme ich 2-3 Tabletten Novalgin/Tag, wogegen ich mich innerlich total sträube, aber es geht nicht mehr anders, weil meine Lebensqualität mit den Schmerzen unterirdisch ist.
Der Plan ist jetzt, die Kronen auf 45-47 intraoral der alten Zahnstellung (Kompensationskurve) anzunähern und die Brücke entsprechend vom Zahntechniker anzupassen zu lassen; in der Zwischenzeit neues Brückenprovisorium. Der Termin ist erst in drei Wochen 

Meine Frage an euch: Haltet Ihr das aufgrund eurer Erfahrungen für einen guten Weg? Also, den Zustand von vorher weitgehend rekonstruieren und damit weiterarbeiten?
Und wenn nein: Was könnte die Alternative sein?
Ich habe schon überlegt mir gegen die Schmerzen ein TENS-Gerät anzuschaffen. Leider sind die hier im Forum für gut befundenen Geräte nicht mehr lieferbar... Im Sanitätshaus beraten lassen?

Vielen Dank fürs Lesen, Eindenken und für eure Mühe!
Herzliche Grüße, Eulilia
Eulilia
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Re: Eulilia - eine Neue in der Runde

Beitragvon Insel » Mittwoch, 22. August 2018, 11:53:29

Hallo Eulilia,

herzlich willkommen und danke für Deine ausführliche Vorstellung! Bei Dir ist ja Einiges gelaufen. Deine Situation ist komplex. Ich traue mir nicht zu, einzuschätzen, ob Du mit der Wiederherstellung des vorherigen Zustandes wieder beschwerdefrei werden könntest.
Deine Idee, ULF tens zu probieren, finde ich gut. Falls das tens dental nicht lieferbar ist, würde ich beim Hersteller einmal anrufen. Es ist meines Wissens nach das günstigste von den bei CMD wirksamen Geräten. Erwarte Dir aber auch nicht zu viel davon. Ein Sanitätshaus wird vermutlich wenig helfen können und Dir möglicherweise irgendein Tens anbieten, das für Gesicht und Nacken nicht geeignet ist. Darum bei Schwamedico nachfragen, wäre mein Tipp.

Was Deine Freischaltung angeht, bitte ich um etwas Geduld, ich lerne gerade unseren neuen Moderator ein.
Inzwischen werden Dir vielleicht andere Mitglieder etwas schreiben :)

LG und falls Du weitere Fragen hast, einfach nachfragen! :)
Insel
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Re: Eulilia - eine Neue in der Runde

Beitragvon Alex81 NEU » Mittwoch, 22. August 2018, 14:19:08

Hallo und herzlich willkommen bei uns Eulilia!

Ich hoffe du findest dich hier zurecht!

Ich bin zwar selbst noch Mitten in der Ergründungsphase meiner CMD-Probleme aber ein paar Eindeutige Dinge kann ich da gerne schon dazu sagen.

Erstmal sind das natürlich höchstmassive Eingriffe die da vorgenommen wurden, und da muss man auch nicht lange überlegen und es Bedarf auch keinem hohen Fachwissen woher deine Probleme kommen die du
vorher nicht hattest und nach dieser Großbaustelle eben schon.
Das passiert immer wieder und ist in der Ausprägung stark schwankend von Person zu Person.

So wie ich das gelesen habe wurde einige male nachgebessert was auch wiederum die Probleme oft noch viel schlimmer machen.
Dein Kauorgan versucht hier die Balance zu finden und schafft es nicht, dann geht man her und erhöht wieder oder schleift weg und dann fängt das Spiel von vorne an.

Eine Knirscherschiene bringt in den seltensten Fällen etwas, das einzige was die macht ist das deine Zahnsubstanz vor den knirschen/pressen geschützt wird in der Zeit in der du sie trägst.
Unterbinden tut die Knirscherschiene das pressen meiner Erfahrung nach nur sehr gering bis gar nicht.



Ich bin mir nicht sicher ob ein zurückschleifen etc. einzelner Zähne hier die Lösung bringt, deine Muskulatur inkl. das was im Hirn abgespeichert wird hat sich mittlerweile stark verändert und auch wenn man
den ursprünglichen Zustand wieder zu 99,9% (was ich nicht glaube das dieser Wert erreichbar ist da geht es um Bruchteile von mm), hergestellt wird.

Ich musste letztens erst eine kleine Füllung bei mir machen lassen, und da musste 2 mal minimal nachgebessert werden da ich die Füllung gespürt habe als Störfaktor. Die ZÄ hat da nur an der Oberfläche gekratzt um das aus zu gleichen.
Hätte man das nicht gemacht, hätte ich in der Nacht unbewusst versucht (würde ich keine Schiene tragen) diesen Überstand weg zu knirschen.

Das ist aber nur mein persönlicher Eindruck und ich kann bei deinem Ausmaß nicht besonders viel Hilfe geben was hier das beste ist.

Hier werden sich sicher noch mehr zu Wort melden die ähnliche Erfahrungen gemacht haben wie du.

Viel Grüße
Alex
"Alles was ich in diesem Forum schreibe sind meine persönliche Meinung aus meinen Erfahrungen und stellen niemals eine Empfehlung oder Beratung dar"
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Re: Eulilia - eine Neue in der Runde

Beitragvon Eulilia » Donnerstag, 23. August 2018, 12:17:42

Hallo Insel, hallo Alex,

vielen Dank für eure schnellen Antworten und die Tipps!

Alex81 NEU hat geschrieben:Erstmal sind das natürlich höchstmassive Eingriffe die da vorgenommen wurden, und da muss man auch nicht lange überlegen und es Bedarf auch keinem hohen Fachwissen woher deine Probleme kommen die du
vorher nicht hattest und nach dieser Großbaustelle eben schon.


Tja, man mag es kaum glauben, aber der ausführende ZA kann sich überhaupt nicht erklären, dass es nach seiner excellenten Arbeit zu solchen Problemen kommen kann. Das hätte er in all den Berufsjahren noch nie erlebt. Ob ich nicht vielleicht ein tiefergehendes (psychisches?) Problem hätte, dass die Schmerzsymptomatik unterhalte... Die krasse einseitige Nivellierung der Spee-Kurve (sagittale Kompemsationskurve) und Abschaffung der Eckzahnführung könnten jedenfalls nicht die Ursache sein, egal, was andere Zahnärzte dazu meinten. Da würde ja nur jeder die Arbeit des anderen schlechtreden wollen. - So, genug gelästert. Das hilft ja auch nicht weiter...
Ich bin jedenfalls froh, dass ich entgegen dem zahnärztlichen Plan nur eine Seite und nicht beide auf einmal "sanieren" ließ. Sonst könnte ich jetzt wahrscheinlich gar nicht mehr kauen.

Bei der neuen, funktionsorientierten ZÄ habe ich den Eindruck, dass sie mit Bedacht vorgeht. Man kann ja die Wiederherstellung der Spee-Kurve nicht mit einer Schiene testen. Dazu bräuchte man eine riesige Aufbauhöhe auf Zahnkronen, die jetzt schon bis max. 1,5 mm höher sind als es die natürlichen Zahnkronen waren. Könnte mir vorstellen, dass das die Muskulatur erst recht nicht mitmacht. Daher muss man nach meinem Verständnis abschleifen, wenn man sich der ursprünglichen Situation annähern will. Natürlich habe ich auch Angst, dass sich neuromuskulär inzwischen soviel umprogrammiert hat, dass das Angleichen an den ursprünglichen Zustand nicht die ersehnte Linderung bringt. Ich habe aber auch keine andere Idee.

(Habe gesehen, dass hier viewtopic.php?f=10&t=807#p8649 auch schon einige Infos zur Spee-Kurve stehen. Scheint wirklich sehr individuell zu sein: Bei mir wurde sie im Rahmen der Kindheits-KFO nicht nivelliert und ich hatte keine Probleme. Bei meiner Tochter wurde sie komplett nivelliert und sie hat ebenfalls (noch) keine Probleme.)

Den Aquasplint habe ich jetzt ein paar Nächte hintereinander nicht getragen (also gar keine Schiene) und davon sind die Schmerzen auch nicht schlimmer geworden. Jetzt finde ich meinen Biss auf der gesunden Seite wieder besser. Das ist irgendwie beruhigend.

Insel hat geschrieben:Darum bei Schwamedico nachfragen, wäre mein Tipp.


Das mache ich!

Würde mich sehr freuen, wenn LeidensgenossInnen mit ähnlichen Großbaustellen ihre Erfahrungen schildern könnten. Hat bei euch Rad-zurück-Drehen was gebracht?

GLG, Eulilia
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